KorrnrLIADR

Luis Stefan Stecher der Dichter und "Erfinder" der Korrnrliadr,

schreibt in seinem Vorwort zur Erstausgabe der Korrnrliadr 1978:

 

Im Laufe eines abendlichen Gespräches kam die Rede auf die Tiroler Karrner, und es wurde die Frage aufgeworfen, ob und welche Lieder die Karrenzieher hatten. Ich kannte keine.

 

Da kam mir die Idee, den Versuch zu unternehmen, „Karrnergedichte" zu schreiben. Ich dachte dabei an volksliedartige Texte. Es war klar, daß ich nicht die alte Karrnersprache verwenden konnte, weil sie nicht mehr gesprochen und verstanden wird. Um aber trotzdem möglichst genau zu schreiben, habe ich den Vintschger Dialekt und hier wieder den, der in Laas gesprochen wird, gewählt. In ihm leben viele der bildhaften Anschauungen, Ausdrücke und Redewendungen der Karrner weiter, ihn hatte ich auch als Sprache der Kindheit im Ohr. Zudem standen mir eine Fülle von Geschichten zur Verfügung, die ich entweder von meiner Mutter oder auf der Bank vor dem Haus aus dem Mund der alten Leute im Dorf gehört hatte.

    

Zu dieser Zeit interessierten mich, angeregt durch einen längeren Aufenthalt in Südostasien, die diskriminierten Hügelstämme der Lawa und Karen. Nun aber, durch die Beschäftigung mit den Tiroler Karrnern, war ich auf eine ähnliche Minderheit gestoßen, von der ich aber mehr wußte und die mir näherstand. Die Karrner waren nicht nur eine verachtete Minderheit, sie sind auch heute noch ein Teil unbewältigter Tiroler Vergangenheit. Dabei hatten sie eine sehr differenzierte Vorstellung von Ehre und Freiheit. Es ist deshalb schade, daß der Name dieser Tıroler Bevölkerungsgruppe, deren Ideal die Ehre war, heute, zumindest im allgemeinen Sprachgebrauch, nur mehr als Schimpfwort gebräuchlich zu sein scheint.

 

Es ist wahr, die Grattenzieher und Karrner sind von unseren verkehrsreichen Straßen verschwunden. Geblieben aber sind ihre Sprachbilder, die in die heimatlichen Mundarten eingegangen sind, geblieben sind aber auch die Spannungen, die aus den urmenschlichen Daseinsmodellen „Besitzen" und „Erfahren" abgeleitet werden können, und die jeweils daraus resultierenden Begriffe von Freiheit und Freiheit. Es war mir daher ein Anliegen, ihnen, diesen freiheitsliebenden Außenseitern Alttirols, besonders den Karrnern aus dem Vintschgau, eine Art verspätetes Denkmal zu setzen.

    

Abschließen will ich dieses Vorwort mit einem Dank an meine Freunde.

Herr Dr. Leonhard Paulmichl, Fachmann in Sachen Vintschgau (mit hartem „t" geschrieben), war von den ersten Zeilen an mit Rat und Tat dabei. Herr Roland Prünster überlieferte mit seiner Kamera das „Glurnser Loch" als wichtiges Bilddokument der Nachwelt. Und Frau Dr. Ulrike Stecher, mein geliebtes Weib, stand mir mit gesurtem Schöpsernen und milder Strenge akkurat immer dann zur Seite, wenn es galt, den festgefahrenen Gedankenkarren wieder in Bewegung zu setzen.

 

Luis Stefan Stecher

Meran, September 1978

„Van Doch trepfelts und tschatterts,

as Hintl tuat kooln,

inzer Heiner mocht Muusi

Unt dr Tata tuat mooln.“



So oder so ähnlich war die Klangsituation zur Entstehungszeit der „Korrnrliadr“.

Heute, nach vier Jahrzehnten, haben mich deinen Vertonungen,

damals ein Wunsch, eine erahnte Möglichkeit, eingeholt. Vielen Dank,

lieber Sohn und weiter viel Freude an der Musik.

Luis Stefan Stecher

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